Wer einen Account bei Facebook besitzt, der kennt sie sicherlich: Die Werbung für Alpensattel. Vielleicht liegt es an den Seiten und Beiträgen, die ich in der Vergangenheit geliked habe, aber in meinem Feed sind die bezahlten Posts des deutschen Startups omnipräsent. Beim Scrollen durch meinen Feed erscheint meistens mehrfach Werbung, die mir den Sattel aus dem Hause Alpensattel schmackhaft machen möchte.

Wahrscheinlich liegt das auch daran, dass ich entsprechende Inhalte in der Vergangenheit kommentiert und geliked habe. Stammleser dieses Blogs erinnern sich sicherlich an unsere Radreise auf dem Fjordradweg in Dänemark und unsere Erfahrungen bezüglich der Fahrradmitnahme im Flixbus.

Ich nehme es gleich vorweg: Ich besitze selbst kein Produkt der Marke Alpensattel, aber aufgrund der großen Flut an Anzeigen, habe ich doch begonnen ein wenig zu den Produkten und der Firma dahinter zu recherchieren.

Hinweis: Das Artikelbild ist KI-generiert und zeigt keine real existierenden Produkte.

Welche Produkte hat Alpensattel im Sortiment?

Der Name der Marke verrät natürlich bereits, dass Sättel die Hauptprodukte darstellen. Darüber hinaus werden aber auch noch Fahrradbekleidung, Fahrradhandschuhe und Fahrradzubehör vertrieben. Spannend finde ich, dass sich auch gepolsterte Radhosen verkauft werden, obwohl die Werbung (dazu gleich mehr) auf mich so wirkt, als wären eben diese keine Lösung für Gesäßschmerzen beim Radfahren.

Was verspricht die Werbung von Alpensattel?

In der Werbung von Alpensattel tritt häufig einer der Firmengründer vor die Kamera oder zumindest vor das Mikrofon und sich als Roman vorstellt. Laut einigen der Werbevideos wie auch der „Über uns„-Seite auf der Website kam ihm die Idee zur Firmengründung aufgrund Schmerzen und Taubheitsgefühlen, unter denen er nach Radtouren litt. Obwohl er wohl unzählige, auch teure, Sättel testete und mit vielen Experten sprach, gelang es ihm wohl nicht die passende, schmerzfreie Lösung zu finden. Was liegt da ferner als einfach selbst ins Sattelbussiness einzusteigen und einen eigenen Sattel zu entwickeln?

Die Werbung verrät uns, dass Alpensattel bei diesen Problemen Abhilfe schaffen möchten. Dem Nutzer wollen sie eine gemütliche und schonende Fahrraderfahrung bieten. Der Sattel soll sich individuell an die Gesäßform der nutzenden Personen anpassen und keine Schmerzen verursachen und das unabhängig von der Art des Fahrrads.

Geworben wird wie es aussieht schwerpunktmäßig auf Social Media. Dort ist den Werbeanzeigen von Alpensattel kaum zu entkommen. Praktisch jedes Mal, wenn ich auf Facebook oder Instagram unterwegs bin, stoße ich auf Werbeanzeigen des Unternehmens.

Wer steckt hinter Alpensattel?

Die Firma hinter der Marke Alpensattel ist die deutsche Firma Shop Force GmbH aus dem hessischen Michelstadt.

Auf der Website werden neun Personen mit jeweiligem Foto als Team von Alpensattel aufgeführt. Unter dem jeweiligen Foto stehen nicht nur die Namen der Personen, sondern auch deren Funktion innerhalb des Teams. Dabei sind allerlei englisch betitelte Aufgaben abgedeckt von Geschäftsführung über Buchhaltung, Marketing bis hin zur Kundenbetreuung.

Produktentwickler, Ingenieure oder Ähnliches konnte ich aber nicht als solche erkennen. Wer also die Entwicklungsarbeit der Sättel und anderen Produkten übernimmt, das ist mir nicht klar geworden. Ich stelle mir diese Aufgabe als nicht ganz trivial vor und würde es mir selbst nicht zutrauen, einen Sattel zu entwickeln. Insbesondere keinen, der das zu Schaffen vermag, was etablierte Firmen bislang nicht geschafft haben.

Aber gut, wir wissen nicht, welche Berufe die Firmengründer erlernt haben. Möglicherweise brachten diese ja selbst die Erfahrung mit, um den Sattelmarkt zu revolutionieren.

Welche Testberichte gibt es zu Alpensattel?

Eine Googlesuche nach Testberichten liefert den oder anderen Treffer. Ziemlich oben mit dabei ist der Satteltest des FAZ-Kaufkompass‘. Unter dem seriösen Namen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wurden diverse Sättel getestet. Affiliate-Links führen jeweils zu einem oder mehreren Shops, wo die Produkte direkt gekauft werden können. Es gibt bspw. einen „Trekking-Testsieger“ und einen „besten City-Sattel“, aber keine echte Rangliste und keine Testnoten. Für das getestete Modell von Alpensattel werden Vor- und Nachteile aufgeführt. Kein Sattel fällt wirklich durch. Für mich geht der Test nicht genügend in die Tiefe und enthält zu viele Affilialte-Links. Ich persönlich vertraue auf entsprechende Tests nicht vorbehaltlos.

Da wirkt der Test von MTB-News.de auf mich schon informativer. Dem Tester ging es wohl wie mir, dass er der Werbung nicht entrinnen konnte und den Sattel so bestellte und testete. Auch hier gibt es keine Schulnote als Testergebnis, wohl aber einen knappen aber informativen Erfahrungsbericht. Würde ich gebeten, den Bericht in eine Schulnote zu übersetzen, dann würde ich wohl irgendetwas zwischen einer 3 und einer 4 auswählen.
Im Forum der Website wird der Test den Usern angekündigt und verlinkt. Dort geben mehrere Forenuser an, dass sie wegen negativer Kommentare von Alpensattel auf deren Social-Media-Kanälen blockiert worden seien. Überprüfen lassen sich diese Aussagen von außen allerdings nicht.

Auf der Website Prüfengel ist ein ausführlicher Test zum Alpensattel 3.0 Sport+ zu finden. 95 von 100 mögliche Punkte erhält der Sattel in diesem Test. Ich persönlich lasse Tests und Siegel von Prüfengel bei der Entscheidungsfindung meiner Kaufentscheidungen nicht einfließen. Das muss aber natürlich jeder für sich selbst entscheiden. Verschiedene namhafte Medien (z.B. der SWR) haben bereits über Prüfengel berichtet und können eine Hilfe sein einzuschätzen, ob man das Siegel für die eigene Recherche nutzen möchte.

Der Kurztest auf der Internetseite der Zeitschrift Guter Rat hält, was er verspricht: Er ist kurz. Dort erhält er die Schulnote 1,3. Der eigentliche Test umfasst lediglich fünf Sätze. Die Werbeanzeige, die per Affiliate-Link zum Produkt auf Amazon führt, nimmt mehr Platz ein als der eigentliche Test.

Über gesponsorte Posts auf Facebook oder bezahlte Suchergebnisse in der Googlesuche wurde ich auf verschiedene Unterseiten von „Radfahren-Heute.de“ gelotst oder habe Videoberichte dieses Anbieters auf Facebook oder Instagram gezeigt bekommen. In deren Satteltest stellt Alpensattel den Testsieger. Aber: Wer genau schaut erkennt, dass es sich bei dem Test um eine „Anzeige“ handelt („Produktvergleich/Anzeige“). Klickt man unten auf der Seite auf das Impressum, so erfährt man, wer Betreiber von Radfahren-Heute.de ist: Eine Firma in Hong Kong.
Spannender ist es allerdings, wenn man versucht die Startseite der Website aufzurufen. Überraschenderweise gelingt das nicht, indem man ganz oben auf das Logo der Website klickt. Also muss man manuell alles hinter dem ersten Schrägstrich löschen um auf eine 404-Fehlerseite zu gelangen. Diese Website scheint also nur aus Unterseiten zu bestehen, möglicherweise alles Werbeanzeigen. Wer ein redaktionelles Portal unter dieser seriös anmutenden Domain erwartet hat, sucht vergeblich. In meine Kaufentscheidung fließt dieser Test daher ebenfalls nicht ein.

Welches Testergebnis hat Alpensattel bei Stiftung Warentest?

Für viele Kosumenten in Deutschland ist die Stiftung Warentest das Maß aller Dinge, wenn es darum geht, eine Kaufentscheidung zu fällen. Auch ich vertraue dem Urteil der Stiftung Warentest und so war es für mich bei meiner Recherche natürlich spannend, welche Sättel sie empfiehlt und ob die Produkte von Alpensattel womöglich getestet wurden.

Leider scheint Stiftung Warentest Fahrradsättel zuletzt im Jahr 2013 getestet zu haben. Die Firma hinter Alpensattel (s.u.) wurde aber wohl erst im Jahr 2021 gegründet und so ist klar: Es gibt bislang keinen Testbericht von Stiftung Warentest zu einem Alpensattel.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich lediglich den Test von MTB-News in meine Kaufentscheidung einfließen lassen würde, was aber natürlich rein subjektiv ist.

Ist Alpensattel Dropshipping?

Im Internet bin ich immer wieder auf den Vorwurf gestoßen, Alpensattel würde Dropshipping betreiben. Dropshipping bedeutet, dass der Verkäufer die Produkte gar nicht selbst auf Lager hat und selbst versendet, sondern lediglich als Vermittler auftritt. Der Hersteller schickt in diesem Fall das Produkt direkt an den Kunden und der Verkäufer hat sein Produkt womöglich nie selbst in natura gesehen. Meistens wird die Ware in diesem Fall von chinesischen Herstellern aus China nach Deutschland an den Kunden verschickt.

Auf Alpensattel trifft das nicht zu. Die Firma verschickt ihre Produkte aus eigenen Lagerhallen aus Deutschland. Laut Alpensattel befinden sich diese in Leipzig und Berlin.

Wo werden die Sättel von Alpensattel hergestellt?

Nun, dass Alpensattel kein Dropshipping betreibt, habe ich bereits erwähnt. Hergestellt werden die Sättel trotz allem in China, was Alpensattel auch auf seiner Website erwähnt.

Immer wieder bin ich im Internet auf den Verdacht gestoßen, Alpensattel würde billige China-Sättel, wie man sie auch auf Aliexpress und Co findet, importieren und hier teuer verkaufen. Eine Bildersuche bei Google würde zu den identischen Sätteln bei den einschlägigen chinesischen Händlern führen. Ich habe dies mit mehreren aktuellen Modellen versucht, konnte bei Aliexpress aber nicht fündig werden. Die Sättel von Alpensattel sind gebrandet, d.h. ihre Oberfläche weist das Alpensattel-Logo auf. Aber auch wenn man das Logo ignoriert, konnte ich keine optisch identischen Sättel dort finden. Natürlich finden sich zahlreiche optisch ähnliche Sättel. Das könnte theoretisch bedeuten, dass die gleichen Sattelmodelle dort einfach ein anderes Oberflächendesign haben. Ein wirkliches Indiz dafür konnte ich aber nicht finden.

Entwickelt Alpensattel die Sättel selbst?

Die Aussagen in den Werbeanzeigen von Alpensattel und auf der Website vermitteln auf mich das Bild, als wären die angebotenen Produkte eigene Entwicklungen, die man bei Firmen in China im eigenen Auftrag nach eigenen Vorgaben produzieren lässt. Ich kann mich allerdings nicht erinnern, dass in einer der Werbeanzeigen ein Produktentwickler gezeigt worden wäre oder gar zu Wort kam. Ob Alpensattel also tatsächlich selbst Produkte entwickelt, oder Ware in China einkauft und mit dem eigenen Logo versehen lässt, das kann ich persönlich nicht beurteilen. Sollte Alpensattel tatsächlich eigene Produktentwickler haben und nach eigenen Vorgaben Produkte produzieren lassen, dann könnte entsprechendes Marketing in diese Richtung sicherlich Vertrauen schaffen. Auf mich persönlich würde das positiv wirken.

Ist Alpensattel seriös?

Die Firma hinter Alpensattel ist wie erwähnt eine deutsche Firma. Die Website hat ein korrektes Impressum mit allen nötigen Angaben und nach allem, was man im Internet liest, bekommen die Kunden zuverlässig ihre Ware.

Bei Trustpilot kann Alpensattel einen Sternedurschnitt von 4,4 von möglichen 5 Sternen vorweisen. 79% der Kunden vergeben die Höchstpunktzahl, 92% vergeben mindestens drei Sterne. Mich interessieren immer vor allem die negativen Bewertungen.

Diese gibt es natürlich immer, das ist völlig normal. 3% der Kunden haben nur zwei Sterne vergeben, 6% die Minimalpunktzahl von einem Stern. Das ist kein schlechter Wert. Viele der negativen Bewertungen beziehen sich auf die Handschuhe. Mehrere Rezensenten haben sich erhofft, dass diese besser wärmen würden und bekamen kalte Finger.

Rezensent Dave moniert in seiner am 15. Dezember 2025 aktualisierten Bewertung vom 29. November 2025, dass das Unternehmen mit allen Mitteln versuche negative Rezensionen und Stimmen zu entfernen. Auf der eigenen Website würden nur positive Rezensionen veröffentlicht, negative jedoch nicht. Das habe er selbst versucht. Laut Dave müssen Kunden aktiv mitarbeiten, damit negative Rezensionen auf Trustpilot nicht verschwänden. Sollte dieser Vorwurf stimmen, dann würde die Aussagekraft der durchschnittlichen Sternewertung darunter natürlich leiden. Mangels eigener Erfahrung kann ich diesen Vorwurf aber weder verifizieren noch widerlegen.

Kommentare auf Facebook

Persönlich kann ich allerdings von Beobachtungen auf Facebook berichten. Liest man sich die Kommentare unter den beworbenen Beiträgen durch, liest man durchweg positive Kommentare. Spannend finde ich es, wenn man bei der Anzeige der Kommentare aber nicht die Facebook-Standardeinstellung wählt, sondern auf „neueste Kommentare“ klickt. Dann kommt es doch immer wieder vor, dass ein negativer Kommentar zu lesen ist, der kurz zuvor gepostet wurde. Was ist es mir dann nie gelungen, den entsprechenden Kommentar am nächsten Tag wiederzufinden… Ob Facebookkommentare von Alpensattel gelöscht werden oder durch die Kommentatoren nach kurzer Zeit selbst gelöscht werden, lässt sich nicht feststellen und daher nur vermuten…

Fazit

Die Firma hinter Alpensattel betreibt eine Menge Marketingaufwand und hat es damit geschafft, in der Fahrradcommunity wahrgenommen zu werden. Das Unternehmen hat bei mir erfolgreich etwaige Bedenken ausgeräumt, es könnte sich um Dropshipping handeln. Wünschenswert wäre, wenn es einerseits mehr Testberichte von namhaften Quellen gäbe und andererseits mehr Einblicke gewährt würden, wie die Produkte entstehen. Wer sind die kreativen Köpfe der Produktentwicklung? Wie forscht Alpensattel an Innovationen? Falls diese Themen zukünftig aufgegriffen werden sollten, kann Alpensattel vermutlich auch jene Kritiker überzeugen, die dem Unternehmen vorwerfen, fremdentwickelte Produkte mit dem eigenen Logo branden zu lassen.

Hinweis: Das Beitragsbild zu diesem Artikel dient nur der Illustration. Es ist KI-generiert und zeigt kein real existierendes Produkt.