In unserem Erfahrungsbericht zur Fahrradmitnahme mit dem Flixbus hatten wir euch bereits von unserer An- und Rückreise zu unserer Radreise berichtet, welche wir dieses Jahr Ende Mai unternahmen. Wir hatten rund eine Woche Zeit und so machten wir uns auf die Suche nach einem Fernradweg mit einer geeigneten Distanz an einem gut erreichbaren Reiseziel. Recht schnell wurde ich mit der Radroute 40 im dänischen Seeland fündig: der Fjordweg bzw. Fjordstien auf Dänisch. Auf rund 230 Kilometern führt diese Radroute entlang der Küste von Seelands beiden Fjorden: dem Roskilde Fjord und dem Isefjord.
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Einstieg in Roskilde
Wir wollten in Roskilde in den Rundkurs einsteigen, mussten aber erstmal nach dorthin kommen. Die Anreise mit der Bahn wäre umständlich (vier oder fünf Umstiege) und vor allem unwirtschaftlich gewesen. Deshalb wählten wir den Flixbus, der uns allerdings nur bis Kopenhagen brachte. Komoot verriet uns, dass es von der Bushaltestelle in Dänemarks Hauptstadt bis nach Roskilde nur 31,5 Kilometer sind. Die Fahrzeit für die fast kerzengerade Strecke ohne wirkliche Höhenunterschiede wurde mit zwei Stunden und 15 Minuten angegeben. Ein Blick in Google Streetview zeigte zudem, dass durchgehend ein Radweg neben der vierspurigen Straße verläuft. Das versprach Sicherheit, wenngleich nicht unbedingt Schönheit.

In weiten Teilen folgten wir dieser Straße auch tatsächlich, verließen diese Route aber vor Roskilde um uns einen Schlafplatz im Grünen zu suchen (wir kamen am Abend in Kopenhagen an). Dazu hatte ich auf Google Maps nach Shelterplätzen (dazu später mehr) und ähnlichem gesucht. Wir fassten einen Platz, der günstig lag, ins Auge. Zu diesem ließen wir uns von Komoot dann lotsen und hatten so eine willkommene Abwechslung zur tristen, lauten

Straße. Nach ruhigen Wohngebieten landeten wir im Grünen wo wir leider nicht nur Rehe und einen Hasen sahen. Auch viele Fliegen tummelten sich hier und freuten sich über unseren Besuch. So war unser Schlafplatz durchaus abgelegen und ruhig, aber eben mit kleinen nervigen Stimmungskillern.
Solltet ihr eine von Roskilde ausgehende Radreise antreten wollen, aber in Kopenhagen ankommen, so raten wir euch dringend lieber die S-Bahn zu nehmen. Zwar ist die Strecke problemlos zu fahren, aber wie ihr dem Foto oben sicherlich entnehmen könnt, ist sie alles andere als schön! Sinn macht das nur, wenn ihr zwischen den beiden Städten nach einem kostenlosen Schlafplatz sucht.
Auch wenn die Strecke nach Roskilde nicht mit ihrer Schönheit überzeugen konnte, zeigte sich schnell, warum Dänemark als Paradies für Radfahrer bekannt ist. Kreisverkehre haben eine separate Spur für Radfahrer und an vielen dänischen Ampeln machen Trittbretter und Haltestangen das Warten an roten Ampeln angenehmer.

Tag 2: Start auf dem Fjordweg

Am Tag nach unserer Anreise erreichten wir nach wenigen Kilometern Roskilde, was für uns den Startpunkt auf dem Fjordradweg bzw. der Route 40 markierte. Dort gab es zu allererst mal den obligatorischen Kaffee und ein paar Backwaren zum Frühstück. Berühmt ist Roskilde nicht nur für sein jährliches Musikfestival, sondern auch für seinen im 12. Jahrhundert gebauten Dom. Dieser zählt seit 1995 zum UNESCO Weltkulturerbe.
Für eine ausgiebige Besichtigung hatten wir allerdings keine Zeit und so sahen wir das Wahrzeichen nur im Vorbeifahren von außen. Wir wollten direkt starten und Kilometer machen.
Die Route ist an und für sich gut ausgeschildert. Gibt es keinen Wegweiser, dann heißt es weiter geradeaus fahren. Das macht manchmal stutzig, aber ich hatte mir die kostenlose Testphase von Komoot Premium für die Radreise aufgespart. So konnte ich immer auf dem Handy schauen, ob wir noch auf der Route 40 sind. Ohne Premium werden die Radwege ja nicht extra angezeigt. Meistens war die Sorge unbegründet, an ein paar Stellen war es dann aber doch hilfreich darauf zurückgreifen zu können um sich nicht zu verfahren. Passieren sollte das dann aber trotzdem. Dazu später mehr. Auf die Navigation durch Komoot mittels heruntergeladener GPX-Dateien habe ich verzichtet. Die im Internet herunterladbaren Daten spuckten mir nur unzählige kleine Teilstrecken aus und das manelle Zusammenführen zu einem GPX-Track war mir zu mühsam. Stattdessen bestellte ich mir die ADFC-Radroutenkarte DK3, die den passenden Teil Dänemarks abdeckt und die Route 40 ebenfalls eingezeichnet hat.
Der Charakter des Fjordradwegs Route 40
Der Name der Route 40 verrät ja schon, dass man immer entlang der Fjordküsten geführt wird. Das bedeutet aber nicht, dass man die ganze Zeit am Meer fährt oder dieses sieht. Tatsächlich sieht man recht oft das Meer für eine ganze Zeit überhaupt nicht. Im ersten Moment mag das etwas enttäuschend sein, aber eigentlich ist es kein Manko. Dafür gewinnt die Route 40 an Abwechslung. Küstenwege, Wälder, Wiesen, Felder und Dörfer wechseln sich ab und sorgen für eine optische Vielseitigkeit. Dabei alles ohne wirklich nennenswerte Steigungen.
Dänemark ist eher dünn besiedelt und so ist man viel in der Natur unterwegs. Dennoch ist man nicht fernab der Zivilisation und kommt durch viele Ortschaften. Einkaufsmöglichkeiten gibt es dadurch ausreichend, aber nicht ständig. Es empfiehlt sich also immer schon vorab in Google Maps zu schauen, wo man sich verpflegen kann. Wir haben gerne bei Netto eingekauft (der Netto mit Hund, den es auch in Teilen Deutschlands gibt). Das Angebot an abgepackten und gesunden Salaten verschiedenster Sorte hat uns gefallen. Eine Gabel aus Holz war sogar auch immer dabei.
Vom Weg abgekommen: Ein unerwarteter Glücksfall
Trotz der Beschilderung und dem digitalen Kartenmaterial in Komoot ist es leider passiert, dass wir von unserer geplanten Strecke abgekommen sind. Das liegt daran, dass es teilweise in mehrere Richtungen mit der Route 40 weitergeht. In Kirke Såby wollten wir in den SPAR und dann dem Radweg an der Westküste des Roskilde-Fjords entlang nach Norden fahren. Kurz zuvor verpassten wir aber leider irgendwo die richtige Abfahrt und fuhren weiter nach Westen, ebenfalls auf der ausgewiesenen Route 40, aber trotzdem falsch. Wir landeten an der Westküste der Halbinsel anstatt der Ostküste. Nach Abwägen unserer Möglichkeiten entschieden wir uns dann erstmal an der Westküste nach Norden zu fahren. Den Einkauf mussten wir auf den nächsten Tag verschieben, fanden aber einen schönen Schlafplatz mit Meerblick.

Am nächsten Tag kamen wir nach wenigen Kilometern an die Fähre zur Insel Orø. Wir hatten eigentlich geplant weiter nach Norden zu fahren, allerdings benötigten wir noch immer einen Supermarkt und die kurze Überfahrt nach Orø versprach einen zeitnahen Einkauf und nach etwas Hin und Her entschieden wir uns überzusetzen. Die Fahrt dauerte nicht lange, die Insel war in Sichtweite.
Direkt am Hafen gab es einen kostenlosen Shelterplatz. Hätten wir am Vorabend schon gewusst, dass wir hier landen würden, dann wären wir wohl noch hierher gefahren um einen legalen, kostenlosen und angenehmen Übernachtungsplatz zu haben.

Der anvisierte Supermarkt war schnell erreicht und der Besuch des selben wird uns wohl immer in Erinnerung bleiben. Auf dem Parkplatz des Ladens wurden wir von einem Einheimischen angesprochen. Das kam auf unserer Radreise immer wieder vor. Man wird gefragt wo man herkommt, wohin die Reise führt und mehrmals haben sich nette Gespräche entwickelt. Von dem „Deutschenhass“, den es in Dänemark geben soll, haben wir auf unserer Reise absolut nichts gespürt!
Aber zurück zu unserem dänischen Gesprächspartner auf dem Parkplatz, welchen wir ja nur deshalb trafen, weil wir am Tag zuvor falsch gefahren sind und an jenem Tag einen Supermarkt benötigten und deshalb spontan die Fähre auf die Insel nahmen. Das Gespräch konnten wir auf Deutsch führen, denn der dänische Unbekannte lebte bis vor Kurzem in Deutschland. Es begann mit den üblichen Fragen und recht schnell hingen uns Dreien die Kinnlade herunter, denn es stellte sich heraus, dass unser Gegenüber vor 30 Jahren genau dort arbeitete wo wir beide heute leben und arbeiten. Beim selben Arbeitgeber im selben Gebäude mit teilweise den Menschen, die heute noch hier sind. Wie unwahrscheinlich ist das denn? Es folgte eine Einladung zu ihm und seiner deutschen Ehefrau nach Hause, die auch damals schon seine Frau war und ebenfalls die Menschen aus der Einrichung kennt.
Am Ende verbrachten wir den halben Tag mit den neu kennengelernten Menschen, badeten gemeinsam im Meer, aßen zusammen und tauschten Geschichten aus. Durch diese zufällige Begegnung verloren wir einiges an Zeit, aber das nahmen wir in Kauf. Ob man die Route am Ende komplett geschafft hat wird weniger in Erinnerung bleiben als diese Begegnung und wir ließen uns bewusst darauf ein und hatten wunderbare Stunden. Wir ließen uns anhand unserer Radkarte beraten und beschlossen spontan unsere Pläne zu ändern.
Planänderung: Vom Fjord zur Küste
Der neue Plan: Orø mit der Fähre an der Westküste verlassen und dann dort nach Norden bis ans offene Meer fahren, entlang der Küste weiter um dann durch den Nationalpark wieder nach Süden fahren und vor der Heimreise noch Kopenhagen besichtigen.

Das bedeutet: Wir sind zwar noch ein ganzes Stück auf dem Fjordradweg geblieben, haben aber nur Teile der gesamten Strecke von 230 Kilometern absolviert. Wir folgten der Route 40 an der Westküste des Fjords nach Norden und stiegen in Rørvig auf die Fähre nach Hundested. Dort verließen wir dann aber den Fjordradweg und folgten der
Nordküstenroute (Route 47) für ein ganzes Stück. Darüber werden wir in Kürze in einem weiteren Artikel berichten.
Auch wenn wir nicht die komplette Route 40 abgefahren sind, wagen wir uns eine Empfehlung dafür auszusprechen. Die von uns abgefahrenen Teilstücke waren abwechslungsreich, überwiegend gut ausgeschildert und ohne besondere Anstrengung zu fahren. Einzig die letzten Kilometer vor dem Hafen Rørvig waren nur schwer zu befahren und wir mussten teilweise absteigen und schieben. Nicht wegen Steigung, aber an dieser Stelle war der Weg nicht nur teilweise sehr schmal und zugewachsen sondern auch sandig, sodass wir selbst mit unseren Gravelbikes absteigen nicht durch den hohen Sand kamen. Ansonsten gab es mal hohes Gras, durch das man fahren musste und kein Weg gemäht wurde und nur ein schmaler Grat ohne Bewuchs frei war, aber der allergrößte Teil war ohne Mühe zu fahren.






Passende Karte:
ADFC-Radtourenkarte DK3 Dänemark/Kopenhagen/Seeland 1:150.000
Preis: 11,95 Euro
ISBN: 978-3969901618
Link zum Fjordweg bei Visitfjordlandet

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