Der Sommer ist vorbei, die Tage werden kürzer und das Wetter wird feuchter. Dennoch zog es uns am Wochenende an einem freien Tag nach draußen, wobei die Lust nur für eine kleine Tour reichte. Die Fahrräder wollten wir zu Hause lassen und so schaute ich nach einer überschaubaren Rundwanderung auf der Schwäbischen Alb.
Nach kurzer Recherche entschieden wir uns für den Seeburgsteig bei Bad Urach. Bei diesem handelt es sich um einen der fünf Premiumwanderwege Grafensteige, allesamt rund um Bad Urach gelegen.
Vorbereitung
Riesige Vorbereitungen sind bei dieser Wanderung nicht nötig. Die Wegstrecke beträgt lediglich 8,2 Kilometer und die Menge an Proviant ist demnach überschaubar. Zwei Stunden und 45 Minuten werden dafür veranschlagt.
Da man vorab nie weiß wie gut die Beschilderung vor Ort ist, lud ich sicherheitshalber die GPX-Daten auf mein Handy und importierte die Tour in Komoot. Die Daten könnt ihr bei Bad Urach-Tourismus kostenlos herunterladen.
Die Anfahrt ist sowohl mit dem Auto als auch dem ÖPNV problemlos möglich. Mit dem Auto steuert ihr den kostenlosen Wanderparkplatz P40 Seeburg an. Dieser ist nicht groß, aber sollte auch nicht übertrieben frequentiert sein.
Mit dem Bus wählt ihr die Linie X2, die zwischen Bad Urach Bahnhof und Münsingen Bahnhof verkehrt, meist im Stundentakt. Ihr steigt an der Haltestelle Seeburg aus.
Tourencharakter
In der Beschreibung des Tourismusverbandes verspricht die Tour euch die landschaftliche Vielfalt des Uracher Ermstals mit seinen Mischwäldern, Wacholderflächen und romantischen Schluchten näherzubringen. Die Wanderung gehöre zu den echten Geheimtipps auf der Uracher Alb. Vom Deutschen Wanderinstitut wurde dem Weg das Qualitätssiegel Premiumwanderweg verliehen.
Empfohlene Jahreszeit sind die Monate April bis Oktober. Wir waren mit Anfang Oktober als ziemlich am Ende der empfohlenen Zeitspanne, was sich in der Wegbeschaffenheit bemerkbar machte.
Auf 8,2 Kilometer Distanz geht es 351 Meter nach oben und – da es ein Rundweg ist – auch wieder hinunter. Dabei befinden wir uns in der Spanne zwischen 580 Metern und 750 Metern über dem Meeresspiegel.


Unsere Erfahrungen
Nach wenigen Metern an der Hauptstraße passieren wir das aktuell zum Verkauf stehende Restaurant Schlössle, das mir jedes Mal ins Auge sticht, wenn wir hier vorbeifahren. Eingebettet in eine Mini-Schlucht befindet sich das auffällige, tatsächlich an ein kleines Schloss erinnernde Restaurant mit kleinem Park. Das ließen wir aber links liegen und verließen direkt im Anschluss die Zivilisation. Auf einem kurvigen und leicht matschigen Weg ging es steil nach oben. Die empfohlenen Wanderstöcke hatten wir zu Hause gelassen. Es ging auch ohne Stöcke gut, übertrieben wären sie aber durchaus auch nicht gewesen. Im Sommer ist das sicherlich leichter. Wanderschuhe sind auf jeden Fall Pflicht und der Weg war trotzdem nicht zu matschig, sodass es nicht schlimm war und die Schuhe auch nicht versaut wurden. Es benötigte einfach etwas mehr Aufmerksamkeit oder ein Auge dafür, wo man als nächstes hintritt. Das ist keine Kritik an dem Wanderweg, sondern wetterbedingt ganz normal.

Die Wanderung hält, was sie verspricht. Immer wieder gibt es schöne Ausblicke ins Tal mit zahlreichen Sitz- und teilweise sogar Liegemöglichkeiten. Tafeln und Zäune zeigen, dass man normalerweise durch die Weiden von Schafen und Ziegen läuft, die wichtige Helfer beim Erhalt der Wacholderheiden sind. Seit Jahrhunderten werden die Tiere zur Landschaftspflege genutzt, was allerdings immer mehr zurückging. In den letzten Jahren werden, unterstützt vom Land Baden-Württemberg, dem Bund für Naturschutz und des Fördervereins Seeburg schafft Zukunft die Flächen wieder verstärkt beweidet um die charakteristische Heidelandschaft zu erhalten. Ohne diese Landschaftspflege würde das gesamte Areal früher oder später verwalden. Wir hatten aber leider kein Glück und haben keine Tiere angetroffen. Möglicherweise befinden diese sich bereits in ihrem Winterquartier.

Aber auch wildlebende Tiere gibt es hier mit etwas Glück zu erblicken. Um den Seeburger Hausberg, den Hartberg, wurden 39 Brutvogelarten und 41 Schmetterlingsarten gezählz. In den zahlreichen Fels- und Höhlenspalten überwintern Fledermäuse. Wir erblickten auf unserer Tour einen Feuersalamander, leider nicht mehr lebend. Auf einer anderen Wanderung im Uracher Raum hatten wir aber einmal Glück und trafen auf zahlreiche lebende Exemplare, das hängt sicherlich auch vom Wetter ab.

Gespannt war ich auch auf den Ermsursprung. Die knapp 33 Kilometer lange Erms entspringt rund einen Kilometer von Seeburg entfernt. Aus der Quelle strömen jede Sekunde zwischen 335 und 380 Liter. Das Wasser ist absolut klar und hat eine schöne grüne Farbe. Leider ist die Quelle an sich aber nicht mehr in natürlichem Zustand sondern vom Menschen baulich in eine Tuffsteingrube eingefasst und darüber hinaus noch eingezäunt. Das ist bei anderen Quellen auf der Schwäbischen Alb, die wir bereits besuchten, nicht so. Hintergrund ist, dass die Quelle bis ins Jahr 2007 die Wasserversorgung Seeburgs sicherstellte.

Etwas später kamen wir durch die Kernzone Trailfinger Schlucht. Eine Kernzone ist in etwa das Gleiche wie ein Bannwald: Die forstliche Bewirtschaftung wurde 2009 eingestellt und der Wald kann sich in diesem Bereich seitdem nahezu ungestört entwickeln. Alte Bäume und Totholz verbleiben im Wald und werden nicht abtransportiert. Da Bäume oftmals aber älter als 400 Jahre werden, wird es noch viel Zeit in Anspruch nehmen, bis hier ein echter Urwald entsteht.
Das Ende der Runde markiert das sogenannte Ehrenmal, das ich schon unzählige Male im Vorbeifahren aus dem Auto gesehen habe. Es thront deutlich oberhalb der Straße und wurde bereits 1920 erbaut. Das von Georg Gabriel Warburg gestiftete Mahl erinnert an die im Ersten Weltkrieg Gefallenen.
Vom Ehrenmal erreichen wir dann in wenigen Gehminuten wieder den Ausgangspunkt unserer Wanderung, den Wanderparkplatz P40. Wem die 8,2 Kilometer zu lang sind, der kann etwa in der Mitte der Wanderung abkürzen. Die Route verläuft fast wie eine Acht, sodass man etwa zur Hälfte der Tour nur wenige Meter vom Auto entfernt durch Seeburg läuft, bevor man den Ort wieder verlässt.

Fazit
Der Seeburgsteig war eine nette Rundtour, die dann zu empfehlen ist, wenn man keine Lust auf eine tagesfüllende Wanderung hat. Der Oktober ist der letzte empfohlene Monat des Jahres für diese Tour, ich würde aber eher empfehlen die Runde früher im Jahr zu machen, wenn die Wege noch trockener sind. Außerdem bekommt man dann vielleicht auch Ziegen und Schafe zu gesicht, was uns leider vergönnt war. Vorteilhaft hingegen war, dass uns fast kein Wanderer begegnet ist und man tatsächlich viel Ruhe genießen konnte.
Die Tour ist schön, aber nicht hochspektakulär. Für Touristen, die das erste Mal in der Region sind, empfehle ich daher eher eine Wanderung rund um den Uracher Wasserfall, wenngleich die Wege dort einer Wanderautobahn gleichen.
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